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Themendossier Beratung – Unterstützung für Frauen mit Behinderung oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen

Netzwerk W Köln: Wiedereinstieg mit Behinderung – Beratungsarbeit und Fachwissen im Netzwerk erweitern

Das Netzwerk W Köln hat als erstes Netzwerk das Thema Wiedereinstieg mit Behinderung aufgegriffen und für die Region Köln einen Überblick mit lokalen Beratungsangeboten zusammengestellt.

Heike von Hagen, Ev. Kirchenkreis Köln-Mitte und Netzwerk W-Koordinatorin Köln, erläutert im Interview Aktivitäten und Erfahrungen.

 

Frau von Hagen, was hat Sie veranlasst, sich näher mit dem Thema Wiedereinstieg von Frauen mit Behinderung zu beschäftigen? Welchen Informationsbedarf gab oder gibt es im Netzwerk?

Frau von HagenNachdem unser allgemeines Lotsenwerk zum beruflichen Wiedereinstieg erschienen war, ist uns im Netzwerk W Köln aufgefallen, dass wir zum Thema Wiedereinstieg mit Behinderung wenig Fachwissen haben, auch was Expertinnen und Anlaufstellen betrifft. Wir haben daraufhin einen Fragebogen entwickelt und an über 200 Einrichtungen hier in Köln verschickt, mit der Bitte uns mitzuteilen, was in diesem Bereich schon gemacht wird und welcher Informationsbedarf besteht.

Heraus kam, dass erhebliche Defizite bestehen und bei vielen Beratungsstellen offensichtlich überhaupt keine Informationen zu diesem Thema vorhanden sind. Gleichzeitig haben viele bekundet, dass sie ihr Wissen in diesem Bereich gerne erweitern würden.

Das war der Hintergrund, weshalb wir uns entschlossen haben, sozusagen ein kleines Lotsenwerk für Köln zu entwickeln und in einem Leporello die verschiedenen Anlaufstellen zusammenzustellen, die Frauen mit Behinderung und/oder gesundheitlicher Beeinträchtigung zum Wiedereinstieg betreuen. Das kann nicht vollständig sein, aber ich denke, wir haben es geschafft, einen ersten Anstoß zu geben.

Welche Ziele haben Sie damit für Ihre Netzwerk-Arbeit verbunden? Welche Bedeutung hatte die Kickoff-Veranstaltung?

Sicher gibt es im Netzwerk Einrichtungen, die sich mit dem Themenbereich befassen wie etwa die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Die meisten Multiplikatorinnen aber haben das Thema eher nicht als Arbeitsschwerpunkt. Wichtig war es daher für uns, unser Netzwerk um kompetente Menschen zu erweitern und weitere Expertinnen hinzuzugewinnen. Vor allem mit dem Berufsförderungswerk Köln/ Diakonie Michaelshoven ist uns das auch gelungen.

Zu unserer Kick off-Veranstaltung haben wir dann eine Expertin vom Berufsförderungswerk eingeladen, um fachlichen Input zu erhalten. Sie informierte zu rechtlichen Grundlagen, Leistungen zur Teilhabe im Arbeitsleben, stellte Beispiele vor, die für Köln relevant sind, und gab Tipps zu Antragstellungen. Die Veranstaltung haben wir daher gut nutzen können, um uns zu schulen und einen Einblick zu gewinnen. Für unsere Netzwerkarbeit ist es eine Erweiterung und hat uns eine Menge an neuem Wissen gebracht. Das Thema bleibt aber komplex und schwierig.

Was macht das Thema Wiedereinstieg mit Behinderung so komplex, wer ist diese Zielgruppe überhaupt?

Im Mittelpunkt stehen ja Menschen, Frauen mit anerkannter Behinderung; dazu zählen ganz allgemein Frauen mit körperlicher oder geistiger Behinderung, aber auch Frauen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Das sind beispielsweise Frauen, die einen Schwerbehindertenausweis nach Krebserkrankungen haben oder aus welchen Gründen auch immer psychisch erkrankt sind. Sie brauchen eine spezielle Betreuung, Ansprache und Unterstützung. Das haben viele Beratungsstellen oft nicht präsent und sie wissen folglich auch nicht, welche Chancen und Möglichkeiten diese Frauen trotz ihres ‚Handicaps‘ haben.

Mit Blick auf Fachkräfte und dem Recht auf Teilhabe denke ich, sollte hier mehr Information in die Beratungsarbeit fließen, um auch die Belange dieser – in der Tendenz eher wachsenden – Gruppe besser wahrzunehmen. Für die Netzwerkarbeit macht es auf jeden Fall Sinn, hier Kompetenzen und Partner hinzuzugewinnen.